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Recht & Marktplatz · INFORM Consumers Act

Bekommen Amazon-Händler in den USA jetzt ein Impressum?

So heißt es nicht, aber genau darauf läuft es hinaus. Wer auf dem US-Marktplatz eine gewisse Größe erreicht, dessen Name, Geschäftsadresse und Kontakt zeigt Amazon offen an. Schuld daran ist ein Gesetz mit sperrigem Namen.

Maik Busch · Amazon & Marketplace Strategy · Juni 2026
20.000 $
Ab diesem Jahresbruttoumsatz auf dem Marktplatz muss Amazon deinen vollständigen Namen und deine Kontaktdaten für Käufer sichtbar machen. Das ist der Punkt, an dem aus interner Verifizierung eine öffentliche Anzeige wird.

Viele Seller haben in den letzten Monaten eine Mail von Amazon bekommen, in der vom INFORM Consumers Act die Rede ist. Erst klingt das nach Bürokratie, die man wegklickt. Dahinter steckt aber ein US-Bundesgesetz, das festlegt, welche deiner Geschäftsdaten Amazon erfassen, prüfen und am Ende auch zeigen muss. Wer das ignoriert, riskiert im schlimmsten Fall die Sperrung seines Kontos.

Was hinter dem Gesetz steckt

Der INFORM Consumers Act ist seit dem 27. Juni 2023 in Kraft. Der volle Name lautet Integrity, Notification, and Fairness in Online Retail Marketplaces for Consumers Act, daher die Abkürzung. Das Ziel ist Transparenz. In den letzten Jahren tauchten auf Marktplätzen immer mehr gefälschte und gestohlene Waren auf, und der Gesetzgeber will, dass Kunden erkennen können, wer hinter einem Angebot steht.

Die Pflicht trifft formal den Marktplatz, also Amazon, eBay, Walmart und Co. Amazon reicht sie an dich als Verkäufer weiter, weil das Unternehmen ohne deine Daten gar nicht erfüllen kann, was das Gesetz verlangt. Genau deshalb landet die Aufforderung in deinem Postfach und nicht bei jemand anderem.

Für wen das gilt

Betroffen bist du, wenn du als High-Volume Seller giltst. Die Schwelle dafür sind mindestens 200 Transaktionen mit einem Bruttoumsatz von 5.000 Dollar oder mehr innerhalb von zwölf zusammenhängenden Monaten. Wer darüber liegt, fällt unter die Verifizierungspflicht. Amazon muss dann deinen Namen, ein amtliches Ausweisdokument, deine Geschäftsadresse, deine Bankverbindung, eine funktionierende E-Mail-Adresse, eine Telefonnummer und deine Steuernummer erfassen und prüfen. Das läuft über dein Seller-Central-Konto.

200
Transaktionen plus 5.000 $ Umsatz in 12 Monaten machen dich zum High-Volume Seller
20.000 $
Jahresumsatz: ab hier werden deine Daten öffentlich angezeigt
10
Tage Frist, danach kann Amazon dein Konto sperren

Ab wann deine Daten öffentlich werden

Hier kommt der Punkt, der den Vergleich mit dem Impressum erklärt. Erreichst du auf dem Marktplatz einen Jahresbruttoumsatz von 20.000 Dollar oder mehr, muss Amazon deine Daten zusätzlich für Kunden anzeigen. Konkret sind das dein vollständiger Name, der darf der Firmenname sein, und Kontaktangaben, über die Käufer dich direkt erreichen können. Also Telefonnummer, E-Mail-Adresse oder ein anderer direkter Nachrichtenweg.

Diese Angaben müssen klar und gut sichtbar sein, entweder auf der Produktseite, auch per Verlinkung, oder in der Bestellbestätigung. Bei Amazon findest du das im Verkäuferprofil. Den Teil mit Name und Adresse zeigt Amazon übrigens schon seit 2020 an. Der INFORM Consumers Act hat das zur gesetzlichen Pflicht gemacht und um die direkten Kontaktdaten erweitert.

Ist das jetzt ein Impressum oder nicht?

Juristisch sind das zwei verschiedene Dinge, auch wenn das Ergebnis für den Käufer fast gleich aussieht.

Deutsches Impressum
Deine Pflicht
Folgt aus dem Digitale-Dienste-Gesetz und dem Medienstaatsvertrag. Du als Anbieter musst es selbst hinterlegen, in Seller Central unter den Verkäuferinformationen.
INFORM Consumers Act
Amazons Pflicht
Der Marktplatz muss deine Daten erfassen, prüfen und zeigen. Du lieferst die Angaben, sichtbar machen muss sie Amazon.

Für den Käufer macht das am Ende kaum einen Unterschied. Er sieht in beiden Fällen, wer der Verkäufer ist, wo er sitzt und wie man ihn erreicht. Wenn du also den Effekt meinst und nicht die Paragrafen: Ja, US-Käufer bekommen bei dir künftig etwas, das einem Impressum sehr nahekommt.

Was passiert, wenn du nicht mitziehst

Reagierst du nach Aufforderung nicht innerhalb von zehn Tagen oder hältst du deine Daten nicht aktuell, kann Amazon dein Konto sperren. Das ist keine leere Drohung. Amazon muss handeln, weil sonst der Marktplatz selbst haftet. Bei Verstößen drohen dem Marktplatz bis zu 53.088 Dollar pro Fall, durchgesetzt von der Federal Trade Commission und den einzelnen Bundesstaaten. Du merkst, Amazon hat allen Grund, hart durchzugreifen, und schiebt das Risiko an dich weiter.

Transparenz ist hier keine Last, sondern ein Verkaufsargument. Käufer kaufen lieber bei jemandem, der greifbar ist, als bei einem anonymen Angebot.

Was du jetzt tun solltest

Viel Aufwand ist es nicht, du solltest es nur einmal sauber erledigen. Geh in Seller Central in die Einstellungen und öffne die Informationen zum Verkäuferkonto. Prüf, ob Name, Adresse, Telefonnummer, E-Mail und Steuernummer aktuell und korrekt sind. Wenn Amazon dich zur jährlichen Zertifizierung auffordert, mach das zeitnah und nicht erst auf den letzten Drücker.

Wer auf dem US-Marktplatz verkauft, kommt an dem Gesetz nicht vorbei. Das gilt auch für deutsche Händler, die in den USA anbieten. Sieh es als Pflicht, die ohnehin kommt, und nutze die Sichtbarkeit für dich. Ein Angebot mit klarem Absender wirkt seriöser als eines ohne, und genau das honorieren Käufer mit Vertrauen und am Ende mit dem Kauf.

Quellen: Federal Trade Commission, Guidance für Drittanbieter und Amazon zum Inkrafttreten. Schwellenwerte und Offenlegungspflichten nach 15 U.S.C. 45f. Strafhöhe inflationsangepasst, Stand 2025.

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